Reise nach Bari

Bari, Italien – März 2023

Bari – Zwischen Husten, Hörsturz und Herzmomenten

Im März 2023 ging es für mich nach Süditalien. Bari stand auf dem Plan – Sonne, Meer, italienisches Lebensgefühl und natürlich die Kamera im Gepäck. Eigentlich genau die Art von Reise, auf die ich mich besonders freue: einfach losziehen, neue Eindrücke sammeln, durch fremde Straßen laufen und schauen, welche Geschichten mir vor die Linse kommen. Dass diese Reise etwas anders verlaufen würde als geplant, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Schon im Flugzeug machte sich eine heftige Erkältung bemerkbar. Dazu kamen starke Ohrenschmerzen, die sich während des Fluges immer weiter verstärkten. In Bari angekommen, war mein Gehör schließlich so eingeschränkt, dass ich teilweise kaum noch etwas hören konnte. Ein ziemlich ungünstiger Start für eine Reise, bei der ich eigentlich möglichst viel erleben wollte. Statt mich davon komplett ausbremsen zu lassen, versuchte ich aber, das Beste daraus zu machen und die Stadt eben auf meine eigene Art zu entdecken.

Bari zu Fuß entdecken

Bari lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Gerade die Altstadt mit ihren engen Gassen, den alten Häusern und den kleinen Plätzen hat eine ganz eigene Atmosphäre. Ich bin einfach losgelaufen, ohne mir für jeden Tag ein festes Programm vorzunehmen. Die Kamera war dabei mein ständiger Begleiter und wurde schnell zum besten Grund, trotz Erkältung immer wieder vor die Tür zu gehen. Es waren nicht unbedingt die großen Sehenswürdigkeiten, die mich dabei faszinierten, sondern die vielen kleinen Situationen am Wegesrand: Menschen vor ihren Häusern, offene Türen, kleine Geschäfte, Mopeds, Wäsche zwischen den Häusern und immer wieder dieses besondere Licht, das man aus dem Süden Italiens kennt.

Gerade beim Fotografieren merkt man schnell, wie unterschiedlich man eine Stadt wahrnehmen kann. Man läuft nicht einfach nur durch eine Straße, sondern beginnt automatisch auf Details zu achten. Ein Gesicht, eine Bewegung, eine besondere Fassade oder das Licht, das für wenige Sekunden durch eine enge Gasse fällt. Bari hatte für mich genau diese Mischung aus Alltag und mediterraner Atmosphäre, die eine Stadt fotografisch interessant macht. Und obwohl ich gesundheitlich ziemlich angeschlagen war, habe ich dadurch wahrscheinlich sogar bewusster hingesehen.

Allein unterwegs

Allein zu reisen hat für mich ohnehin einen besonderen Reiz. Man muss sich mit niemandem abstimmen, kann morgens spontan entscheiden, wohin man geht, und genauso gut einfach irgendwo sitzen bleiben. Gerade in Bari habe ich diese Freiheit sehr genossen. Es gab keinen festen Tagesplan und keinen Druck, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit sehen zu müssen. Wenn ich eine interessante Straße entdeckte, bin ich hineingelaufen. Wenn ich irgendwo einen Kaffee trinken wollte, habe ich mich hingesetzt. Und wenn die Erkältung wieder stärker wurde, konnte ich einfach eine Pause machen.

Vielleicht war gerade diese Ruhe ein wichtiger Teil der Reise. Wenn man allein unterwegs ist und gleichzeitig gesundheitlich etwas angeschlagen ist, verändert sich die Wahrnehmung. Plötzlich geht es nicht mehr darum, möglichst viele Punkte auf einer Liste abzuhaken. Man nimmt sich Zeit. Für die Stadt, für die eigenen Gedanken und manchmal auch einfach für einen Moment, in dem man irgendwo sitzt und die Menschen um sich herum beobachtet. Das hatte etwas Befreiendes.

Süditalien mit allen Sinnen

Auch kulinarisch hat Bari natürlich einiges zu bieten. Zwischen meinen Spaziergängen gehörten Kaffee, Pizza und natürlich Eis zu den kleinen Fixpunkten des Tages. Besonders das Pistazieneis ist mir in Erinnerung geblieben. Eigentlich sind solche Dinge auf einer Reise nur Nebensächlichkeiten – und trotzdem sind es oft genau diese kleinen Momente, an die man sich später erinnert.

Mein eingeschränktes Gehör machte die Reise allerdings zu einer etwas ungewöhnlichen Erfahrung. Vieles, was sonst selbstverständlich ist, nahm ich plötzlich anders wahr. Gespräche waren schwieriger, Geräusche fehlten teilweise und gleichzeitig wurde die Aufmerksamkeit für andere Dinge größer. Das Licht, die Gerüche, das Essen, die Wärme und die Bewegung in den Straßen wurden umso wichtiger. Bari war dadurch nicht weniger intensiv – vielleicht sogar im Gegenteil.

Zwischen Einschränkung und Freiheit

Wenn ich heute an diese Reise zurückdenke, ist es deshalb nicht die Erkältung, die mir zuerst einfällt. Es sind die Spaziergänge durch die Altstadt, das Licht auf den alten Fassaden, das Meer, der Kaffee zwischendurch und die vielen kleinen Situationen, die ich mit meiner Kamera festhalten konnte. Natürlich wäre es schöner gewesen, gesund und ohne diese Beschwerden anzureisen. Aber Reisen läuft eben nicht immer nach Plan.

Vielleicht liegt genau darin auch ein Teil des Reizes. Wir versuchen oft, unsere Reisen möglichst perfekt zu planen: gutes Wetter, interessante Orte, schöne Unterkünfte und genügend Zeit. Und dann kommt das Leben dazwischen. Bei mir waren es in Bari Husten, Ohrenschmerzen und ein zeitweise fast vollständiger Verlust des Gehörs. Trotzdem wurde diese Reise zu einer Erinnerung, die geblieben ist.

Was von Bari bleibt

Bari hat mir gezeigt, dass eine Reise nicht davon abhängt, ob am Ende alles so funktioniert hat, wie man es sich vorher vorgestellt hat. Manchmal sind es gerade die ungeplanten Dinge, die eine Reise persönlich machen. Die Einschränkungen haben mich gezwungen, langsamer zu werden und genauer hinzusehen. Statt möglichst viel mitzunehmen, habe ich mich treiben lassen und die Stadt in meinem eigenen Tempo erlebt.

Und vielleicht ist genau das der Herzmoment dieser Reise: allein durch eine fremde Stadt zu gehen, die Kamera in der Hand, gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe zu sein und trotzdem irgendwann festzustellen, dass man gerade genau dort sein möchte. Bari war für mich deshalb nicht die perfekte Reise. Aber eine ehrliche. Und vielleicht sind es gerade diese Reisen, an die man sich Jahre später noch besonders gut erinnert.

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Specs

  • Kamera

    Nikon Z7

  • Location

    Bari, Italien

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