Unser Pfingsttrip
Juni 2025
Manchmal muss man einfach losfahren. Nicht alles muss fertig sein, nicht jede Schublade muss schon ihren endgültigen Platz haben und auch die letzte technische Lösung kann ruhig noch auf sich warten lassen. Genau nach diesem Motto haben wir unsere erste größere Tour mit unserem neuen Fiat Ducato Serie 8 gestartet. Der Wagen war zu diesem Zeitpunkt noch weit davon entfernt, fertig ausgebaut zu sein. Das Bett war vorhanden, die wichtigsten Dinge für unterwegs waren an Bord und damit war eigentlich alles da, was wir brauchten. Der Rest sollte sich unterwegs ergeben. Für mich war diese Reise deshalb nicht nur ein Pfingsturlaub, sondern gleichzeitig der erste große Praxistest für unser neues Projekt.
Unsere Reise begann zunächst in Richtung Norden. Hamburg war der erste größere Zwischenstopp und gleichzeitig gab es dort etwas am Ducato zu erledigen, das schon länger auf meiner Liste stand: Der Tempomat wurde nachgerüstet. Gerade auf längeren Strecken sollte sich später zeigen, wie angenehm so ein kleines technisches Detail auf Reisen sein kann. Danach ging es weiter, denn unser eigentliches Ziel war nicht eine bestimmte Stadt oder ein bestimmter Campingplatz. Wir wollten unterwegs sein, neue Orte sehen und einfach ausprobieren, wie sich der neue Van auf einer längeren Tour anfühlt.
Von Hamburg aus führte unser Weg weiter Richtung Lüneburg und anschließend nach Leipzig und Dresden. Dabei wurde schnell deutlich, dass genau diese Art zu reisen für uns den besonderen Reiz ausmacht. Wir hatten keinen eng getakteten Reiseplan und mussten nicht jeden Abend an einem bestimmten Ort ankommen. Wenn sich unterwegs etwas Interessantes ergab, konnten wir anhalten. Wenn wir weiterfahren wollten, fuhren wir weiter. Der Ducato sollte schließlich nicht nur ein Fahrzeug werden, sondern unser Zuhause auf vier Rädern.
Einen besonderen Zwischenstopp legten wir an der Iberger Tropfsteinhöhle ein. Solche Orte sind für mich immer eine willkommene Abwechslung zu den Kilometern auf der Straße. Nach der Zeit im Auto tut es gut, auszusteigen, sich zu bewegen und etwas zu erleben, das mit dem eigentlichen Reiseweg zunächst gar nichts zu tun hat. Genau diese spontanen Zwischenziele machen für mich einen Roadtrip aus.
Von dort ging es weiter Richtung Dresden und schließlich in die Sächsische Schweiz. Unser Stellplatz beziehungsweise Campingplatz an der Ostrauer Mühle wurde zum Ausgangspunkt für eine Wanderung zu den Schrammsteinen. Nach den vielen Stunden im Auto war die Bewegung genau das Richtige. Die Landschaft dort ist beeindruckend, gleichzeitig aber auch eine gute Erinnerung daran, dass man einen Roadtrip nicht nur aus dem Fahrersitz heraus erleben sollte. Der Ducato wartete währenddessen geduldig auf uns.
Nach Sachsen ging es über die Grenze nach Polen. Damit war der nächste Länderwechsel geschafft und unser Roadtrip bekam endgültig seinen internationalen Charakter. Unser Ziel war Karpacz am Fuß des Riesengebirges. Die Stadt liegt in einer Landschaft, die sich deutlich von den bisherigen Stationen unterscheidet, und genau solche Wechsel machen eine Reise für mich interessant. Innerhalb weniger Tage verändert sich nicht nur die Sprache auf den Schildern, sondern auch Landschaft, Architektur und Atmosphäre.
Besonders schön waren anschließend zwei ruhigere Tage an einem See bei Uciechów. Nach den vielen Stationen und Kilometern tat es gut, einmal nicht sofort weiterzufahren. Wir konnten den Tag langsam angehen lassen, draußen sitzen und den Abend genießen. Gerade solche einfachen Momente bleiben mir von einer Reise oft stärker in Erinnerung als die großen Sehenswürdigkeiten. Ein Stellplatz am Wasser, ein Sonnenuntergang und das Gefühl, für einen Moment überhaupt keinen Zeitplan zu haben – mehr braucht es manchmal nicht.
Von unserer ruhigen Zeit am See ging es anschließend nach Breslau, dem heutigen Wrocław. Nach den Tagen in der Natur war der Wechsel in die Stadt wieder spannend. Wir haben uns treiben lassen, die Stadt zu Fuß erkundet und natürlich auch die Kamera dabei gehabt. Breslau ist eine Stadt, in der sich Geschichte und modernes Leben auf engem Raum begegnen. Besonders interessant fand ich dabei die vielen unterschiedlichen architektonischen Eindrücke und die Atmosphäre in den Straßen und auf den Plätzen.
Natürlich darf bei einem solchen Stadttag auch eine Pause irgendwo zwischendurch nicht fehlen. Genau diese Mischung aus Sightseeing, Essen, Menschen beobachten und einfach ohne großes Ziel durch eine Stadt zu laufen, gehört für mich zu einer gelungenen Reise dazu. Wir mussten an diesem Tag keinen festen Besichtigungsplan abarbeiten. Es ging vielmehr darum, einen Eindruck von Breslau mitzunehmen und anschließend wieder zurück zu unserem Ducato zu kommen.
Eigentlich hatten wir geplant, auch die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau zu besuchen. Vor Ort mussten wir allerdings feststellen, dass die geführten Besichtigungen entsprechend frühzeitig gebucht werden müssen. Für unseren spontanen Reiseplan war das nicht mehr möglich. Auch wenn es zunächst schade war, haben wir uns bewusst dagegen entschieden, den Besuch einfach irgendwie zwischen andere Programmpunkte zu quetschen.
Auschwitz soll für uns deshalb kein ausgefallener Punkt auf einer Liste bleiben. Wir werden diesen Ort bei einer späteren Reise besuchen und uns dafür ausreichend Zeit nehmen. Gerade bei einem solchen historischen Ort finde ich es wichtig, nicht nur schnell hinzufahren, ein paar Fotos zu machen und anschließend wieder weiterzufahren. Wenn wir dorthin fahren, möchte ich mich auch wirklich mit dem Ort und seiner Geschichte auseinandersetzen.
Nach Polen ging es weiter nach Tschechien. Unser Weg führte uns unter anderem nach Jičín. Auch hier war wieder der Weg mindestens genauso interessant wie das eigentliche Ziel. Wir fanden einen Platz an einem See und verbrachten dort eine ruhige Zeit. Dazu kam eine Erfahrung, die wahrscheinlich nur auf einer solchen Reise passiert: Wir entdeckten einen kleinen privaten Laden, in dem es sehr günstiges Bier gab. Viel braucht es manchmal nicht, um einen Reiseabend gemütlich werden zu lassen.
Anschließend ging es weiter nach Karlovy Vary. Der bekannte Kurort zeigte uns wieder eine ganz andere Seite der Reise. Nach Natur, kleinen Orten und langen Fahrstrecken waren wir wieder mitten in einer touristisch geprägten Stadt. Trotzdem blieb genügend Zeit, die Eindrücke auf uns wirken zu lassen, bevor es wieder weiterging.
Von Tschechien führte unser Weg schließlich wieder Richtung Deutschland und über Ludmannsdorf zurück in Richtung Heimat. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits viele Kilometer gesammelt und der Ducato hatte seine erste große Bewährungsprobe hinter sich. Gerade weil der Ausbau noch nicht abgeschlossen war, war die Reise für mich besonders interessant. Wir konnten unterwegs feststellen, was tatsächlich funktioniert, was wir vermissen und welche Dinge beim späteren Ausbau vielleicht doch anders gelöst werden sollten.
Ein letzter, sehr bewusster Zwischenstopp war die KZ-Gedenkstätte Dachau. Nach den vielen schönen Landschaften, Städten und unbeschwerten Momenten der vergangenen Tage war dieser Besuch ein starker Kontrast. Gleichzeitig war es für mich ein wichtiger Abschluss dieser Reise. Reisen bedeutet für mich nicht ausschließlich schöne Orte, gutes Essen und spektakuläre Landschaften. Es gehört auch dazu, sich mit der Geschichte eines Landes auseinanderzusetzen und Orte aufzusuchen, die uns daran erinnern, was Menschen anderen Menschen antun können.
Nach insgesamt vier Ländern, zahlreichen Zwischenstopps und vielen Kilometern kamen wir schließlich wieder zu Hause an. Der neue Fiat Ducato Serie 8 hatte seinen ersten großen Test bestanden. Natürlich war noch längst nicht alles perfekt. Der Ausbau war noch nicht fertig, manche Lösungen waren zunächst provisorisch und einige Ideen entstanden überhaupt erst während dieser Reise. Genau das war aber auch der Sinn dieser ersten Tour.
Wir wollten nicht erst monatelang planen und bauen, bevor wir überhaupt wissen, wie wir den Van später nutzen möchten. Wir wollten losfahren und unterwegs herausfinden, was wir wirklich brauchen. Diese Pfingsttour hat uns dafür jede Menge Erkenntnisse geliefert. Welche Dinge sich bewähren, wo Stauraum fehlt, was praktischer gelöst werden muss und welche Ausstattung vielleicht gar nicht notwendig ist. Der weitere Ausbau wird deshalb nicht einfach einem vorher festgelegten Plan folgen, sondern aus unseren tatsächlichen Erfahrungen entstehen.
Für mich war diese Reise damit viel mehr als nur eine Tour über Hamburg, Sachsen, Polen, Tschechien und wieder zurück. Sie war der Start unseres neuen Projekts. Der Ducato ist noch nicht fertig – aber genau genommen ist das auch gar nicht schlimm. Denn mit jeder Reise wird er ein Stück mehr zu unserem Fahrzeug. Und nach dieser ersten Tour steht vor allem eines fest: Der Anfang ist gemacht.

Weinhof Scheu
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