Weinhof Scheu

Spitzenweine aus Schweigen-Rechtenbach

Weinhof Scheu in Schweigen-Rechtenbach: Ein Weingut zwischen zwei Ländern

Es gibt Orte, an denen man als Fotograf nicht einfach nur für einen Termin auftaucht, ein paar Bilder macht und anschließend wieder nach Hause fährt. Der Weinhof Scheu in Schweigen-Rechtenbach gehört für mich zu diesen Orten.

Ich durfte die Familie Scheu inzwischen mehrfach mit meiner Kamera begleiten. Dabei sind ganz unterschiedliche Situationen entstanden: die Weinlese im Herbst, wenn früh am Morgen langsam Leben in die Weinberge kommt und die ersten Trauben gelesen werden, aber auch Weinproben, Veranstaltungen und die vielen kleinen Momente dazwischen. Genau diese unterschiedlichen Situationen machen für mich den Reiz aus. Denn ein Weingut besteht schließlich nicht nur aus Flaschen und Weinbergen. Dahinter stehen Menschen, Geschichten, viel Arbeit und eine besondere Verbindung zu dem Stück Land, auf dem die Reben wachsen.

Beim Weinhof Scheu kommt noch etwas Besonderes hinzu: Dieses Weingut ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Grenzgänger.

Ein Weingut direkt an der französischen Grenze

Schweigen-Rechtenbach liegt ganz im Süden der Pfalz, unmittelbar an der Grenze zum Elsass. Hier beginnt am Deutschen Weintor die Deutsche Weinstraße, die sich über rund 85 Kilometer bis nach Bockenheim im Norden zieht. Nur wenige Kilometer entfernt liegt bereits Wissembourg auf französischer Seite. Die Grenze ist hier also weniger eine Trennlinie als vielmehr ein Teil des täglichen Lebens.

Genau diese Besonderheit prägt auch den Weinhof Scheu. Rund die Hälfte der insgesamt 14 Hektar Rebfläche liegt auf französischem Staatsgebiet im benachbarten Elsass. Die Reben interessiert die Grenze allerdings naturgemäß wenig. Für sie zählt vielmehr der Boden, die Lage, das Klima und das Wetter des jeweiligen Jahrgangs.

Und genau daraus hat die Familie Scheu den Begriff „Grenzgänger“ gemacht. Nicht nur geografisch, sondern auch bei der Arbeit mit dem Wein möchte man Grenzen immer wieder ausloten und neue Wege gehen.

Wenn man mit der Kamera in dieser Landschaft unterwegs ist, wird diese besondere Situation schnell sichtbar. Weinberge ziehen sich über die Grenze hinweg, während sich die Landschaft auf beiden Seiten eigentlich wie eine Einheit präsentiert. Deutschland und Frankreich liegen hier nicht nur geografisch dicht beieinander – auch die Weinwelt ist miteinander verbunden.

Angefangen hat alles 1964

Der Weinhof Scheu ist ein Familienbetrieb und wurde 1964 von Friedel und Günter Scheu gegründet. Damals bewirtschaftete die Familie weniger als sechs Hektar und baute zunächst vier Rebsorten an.

1989 kam Sohn Klaus Scheu mit seiner Winzerlehre in den Betrieb. Nach seiner Ausbildung zum Weinbautechniker übernahm er 1995 das Weingut von seinem Vater und begann, den Betrieb Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Zwischen 1989 und 2008 kamen weitere Flächen hinzu, sodass der Weinhof heute rund 14 Hektar Rebfläche bewirtschaftet. 2015 wurde außerdem eine neue Vinothek gebaut – im selben Jahr feierte der Weinhof Scheu sein 50-jähriges Bestehen.

Klaus Scheu ist heute Inhaber und Kellermeister des Weinhofs. Auf der Website des Weinguts wird er als derjenige beschrieben, der die Philosophie des Hauses maßgeblich weiterentwickelt und dabei immer wieder neue Wege ausprobiert. Genau diese Verbindung aus überliefertem Wissen und eigenen Ideen findet man auch in den Weinen wieder.

Und natürlich gehört zu einem Familienbetrieb mehr als nur eine Person.

Eine Familie, viele Aufgaben

Wer den Weinhof Scheu besucht, bekommt schnell den Eindruck, dass hier viele Aufgaben ineinandergreifen.

Klaus Scheu kümmert sich als Inhaber und Kellermeister vor allem um den Wein und dessen Entwicklung. Seine Schwester Bärbel Scheu ist für Marketing und Verkauf zuständig und bringt ihre Begeisterung für Wein auch im Kontakt mit den Gästen ein.

Anja Quint arbeitet ebenfalls im Verkauf und unterstützt Klaus im Familienbetrieb. Dazu kommt die Organisation der Veranstaltungen auf dem Weinhof.

Und dann ist da Günter Scheu, der Gründer des Weinhofs. Offiziell inzwischen im Ruhestand, ist er nach wie vor eng mit dem Außenbetrieb verbunden. Wer die Vorstellung des Weinguts liest, bekommt schnell das Gefühl, dass „Ruhestand“ bei ihm eher eine theoretische Angelegenheit ist. Seine Verbindung zu den Weinbergen ist offensichtlich geblieben.

Auch Steffi Scheu gehört zum Team und arbeitet nach eigener Beschreibung eher im Hintergrund.

Für mich als Fotograf sind genau diese Menschen ein wesentlicher Teil der Geschichte. Wenn ich bei der Weinlese fotografiere oder eine Veranstaltung begleite, entstehen die Bilder nicht allein durch die Landschaft oder die Weinflaschen. Es sind die Menschen, die einem solchen Ort sein Gesicht geben.

Drei Lagen, drei unterschiedliche Geschichten

Ein besonders interessanter Teil des Weinhofs sind die unterschiedlichen Weinlagen. Zu den wichtigsten gehören der Schweigener Sonnenberg, der Strohlenberg und der Raedling.

Der Schweigener Sonnenberg ist geprägt von Löss, Ton und Kalkmergel. Diese Böden bilden unter anderem die Grundlage für Riesling und Gewürztraminer. Der Strohlenberg liegt als steiler Südhang geschützt in einem kleinen Tal. Durch seine Lage kann er die Wärme des Tages besonders gut speichern. Hier spielt außerdem Kalkboden eine wichtige Rolle.

Der Raedling wiederum bringt Kalkstein und schweren Lettenboden mit. Diese Böden können Wärme und Wasser speichern und schaffen nach Angaben des Weinhofs die Voraussetzungen für Riesling, Chardonnay sowie Weiß- und Grauburgunder.

Auch beim Blick auf das gesamte Sortiment zeigt sich eine klare Ausrichtung. Der Weinhof bewirtschaftet überwiegend weiße Rebsorten. Forum Pfalz nennt einen Anteil von rund 90 Prozent Weißwein und 10 Prozent Rotwein bei den 14 Hektar Rebfläche. Zu den angebauten Sorten gehören unter anderem Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Spätburgunder, Scheurebe und Gewürztraminer.

Was mir daran gefällt: Die Herkunft des Weins bleibt nicht abstrakt. Beim Weinhof Scheu spielt die jeweilige Lage eine sehr wichtige Rolle. Teilweise finden sich auf den Etiketten sogar die geografischen Koordinaten des jeweiligen Weinbergs. Wer möchte, kann also tatsächlich nachvollziehen, wo der Wein seinen Ursprung hat.

Zwischen Handarbeit und neuen Ideen

Weinbau ist letztlich eine Zusammenarbeit mit der Natur. Das klingt vielleicht etwas romantisch, wird aber spätestens dann deutlich, wenn man einmal während der Weinlese im Weinberg steht.

Das Wetter lässt sich nicht planen. Der Zeitpunkt der Lese muss passen, die Reben müssen gepflegt werden und auch im Keller sind immer wieder Entscheidungen notwendig. Der Weinhof beschreibt das Wetter deshalb selbst als einen entscheidenden Faktor, der immer wieder neue Entscheidungen verlangt.

Bei der Bewirtschaftung setzt der Betrieb nach eigenen Angaben auf eine naturnahe und umweltschonende Arbeitsweise. Für die Düngung wird soweit wie möglich eigener Kompost eingesetzt, außerdem wird auf eine ausreichende Durchlüftung der Laubwände geachtet. Vieles in der Pflege der Reben und bei der Verarbeitung bleibt Handarbeit.

Gleichzeitig gibt es immer wieder den Mut, etwas auszuprobieren. Ein schönes Beispiel dafür ist die Scheurebe Réserve. Die Rebsorte, die ohnehin einen festen Platz im Sortiment des Weinhofs hat, wird dabei im französischen Tonneaux ausgebaut. Dadurch entsteht ein ganz anderer Stil als bei einer klassisch ausgebauten Scheurebe.

Die Scheurebe und eine besondere Familiengeschichte

Apropos Scheurebe: Natürlich liegt bei einem Weinhof mit diesem Namen die Vermutung nahe, dass die Familie etwas mit dem Züchter der Rebsorte, Georg Scheu, zu tun haben könnte.

Die Antwort darauf ist ziemlich eindeutig: Nein.

Die Familie ist nicht mit Georg Scheu verwandt. Trotzdem hat die Rebsorte auf dem Weinhof natürlich einen besonderen Stellenwert. Die trocken ausgebaute Scheurebe und der Secco „Scheu de Scheu“ wurden bereits ausgezeichnet, und eine Trockenbeerenauslese aus dem Jahr 1976 erhielt sogar einen Staatsehrenpreis.

Der Name Scheu und die Scheurebe passen also irgendwie trotzdem ziemlich gut zusammen.

Der „Alte vom Sonnenberg“

Noch interessanter wird die Familiengeschichte bei Philipp Cuntz, dem Großvater der heutigen Familie.

Philipp Cuntz war ein engagierter Weinbauer, gilt als Begründer des ersten deutschen Weinlehrpfads und war ein Pionier der Rebveredelung. Den Beinamen „Der Alte vom Sonnenberg“ erhielt er aufgrund seiner Verbindung zu den Weinbergen.

Eine besondere Geschichte steckt auch hinter einer alten Rebsorte, die er im Weinberg wiederentdeckte. Untersuchungen ergaben später, dass es sich um die historische Rebsorte Grünfränkisch handelte. Seit 2017 wird sie vom Weinhof wieder unter ihrem tatsächlichen Namen ausgebaut.

Solche Geschichten sind es, die ein Weingut für mich interessant machen. Eine Flasche Wein bekommt plötzlich einen ganz anderen Hintergrund, wenn man weiß, welche Menschen und welche Geschichte dahinterstehen.

Wenn aus Wein Fotografie wird

Für mich ist der Weinhof Scheu inzwischen aber vor allem auch mit meiner Arbeit als Fotograf verbunden.

Die Weinlese gehört dabei sicherlich zu den schönsten Terminen im Jahresverlauf. Früh am Morgen ist das Licht oft noch weich, die Weinberge wirken ruhig und nach und nach beginnt die Arbeit. Dann wird gelesen, getragen, sortiert und gearbeitet. Menschen bewegen sich durch die Reben, Trauben werden in Kisten gelegt und irgendwann ist der ganze Weinberg in Bewegung.

Fotografisch gibt es dabei unglaublich viele kleine Geschichten.

Ein Gesicht, das sich auf die Arbeit konzentriert. Hände, die Trauben schneiden. Eine kurze Pause. Ein Lachen. Die erste Kiste, die voll ist. Sonnenlicht zwischen den Reben. Und natürlich die Momente, in denen die Arbeit kurz vergessen wird und man gemeinsam auf einen erfolgreichen Lesetag anstößt.

Bei einer Weinprobe ist die Atmosphäre wiederum eine völlig andere. Dann stehen nicht mehr die Arbeit und die Ernte im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Genießen. Menschen kommen miteinander ins Gespräch, probieren verschiedene Weine und tauschen ihre Eindrücke aus.

Auch solche Momente fotografiere ich gerne, weil sie zeigen, was hinter dem Produkt Wein eigentlich steckt: Menschen, Begegnungen und Geschichten.

Ein Ort, an den ich mit der Kamera gerne zurückkomme

Je öfter ich am Weinhof Scheu fotografiere, desto mehr merke ich, dass es für mich nicht nur um einzelne Aufträge oder einzelne Bilder geht.

Ich kenne inzwischen einige der Menschen, die dort arbeiten, und weiß, wie viel Arbeit hinter den Veranstaltungen, der Weinlese und natürlich hinter jeder einzelnen Flasche steckt. Dadurch verändert sich auch die Art, wie ich fotografiere.

Ich versuche nicht nur zu dokumentieren, was passiert. Ich möchte etwas von der Atmosphäre mitnehmen. Die Menschen zeigen, die Stimmung einfangen und die kleinen Momente festhalten, die man später vielleicht gar nicht mehr bewusst wahrnimmt.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich solche Projekte so gerne mache.

Ein Weingut wie der Weinhof Scheu lässt sich nicht auf Wein reduzieren. Es geht um eine Familie, die seit 1964 mit dem Weinbau verbunden ist, um Weinberge, die teilweise über eine Landesgrenze hinweg reichen, um unterschiedliche Böden und Lagen und um Menschen, die jeden Jahrgang aufs Neue mit dem arbeiten, was die Natur ihnen gibt.

Und irgendwo zwischen Weinberg, Keller, Vinothek und Weinprobe entstehen dann die Bilder, die diese Geschichte ein Stück weit erzählen.

Für mich ist es ein schönes Gefühl, diese Geschichte mit meiner Kamera begleiten zu dürfen. Und ich bin gespannt, welche Momente bei meinem nächsten Besuch auf mich warten.

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